Geschichte
der Anlage
Beobachtungsposten
im Aktivdienst
Der
Hondrichhügel oberhalb von Spiez - am Eingang zum
Réduitraum im Berner Oberland gelegen - eignete sich
hervorragend als Beobachtungsstelle. Unterlagen im
Bundesarchiv belegen, dass sich zeitweise gegen ein Dutzend
Beobachtungsposten auf der Anhöhe drängten. Diese gehörten
zu verschiedenen Artilleriebatterien, die hinter der
Réduitfront in Stellung gegangen waren.
Auf
dem Hondrichhügel befanden sich Ende 1940 am West- und am
Ostende je ein Beobachtungsturm in Eisenkonstruktion, die
auf vier Fundament-Sockeln (Dimension: 0.9 m x 0.9 m, im
Abstand von 3 m x 3 m) ruhten. 1955/56 sollen die Türme
abgebaut worden sein. Weitere Informationen zu diesen
Türmen sind noch gefragt, insbesondere Bilder!
Warum
wurde die Anlage gebaut?
Die
Idee, diese vielen, ungeschützten Beobachter auf dem
Hondrichhügel in einem Felsenwerk zusammenzufassen und die
Zentralisierung der Feuerleitung (gleiche Feuerräume nicht
nur für die Abteilung sondern für ganze
Artillerie-Gruppen), waren der Grund für die Realisierung
des KP Heinrich.
Was
war geplant ?
Zitat
aus einem Schreiben des Kommandanten der 3. Division: «Es
ist in Aussicht genommen im Hondrichhügel eine
Stollenanlage zu schaffen, mit 2 Eingängen im Steinbruch
nördlich des Dorfes Hondrich und 4 Beobachtungsposten am
feindseitigen Hang, für die Bedürfnisse des Divisions
Stabes, von 6 schweren Batterien und der Artillerie
Beobachtungs-Kompanie.»
Projekte
Im
Januar 1941 lag eine schematische Projektskizze vor und im
März erfolgte die Budgeteingabe durch den Kommandanten der
3. Division an das 3. Armeekorps. Die ersten Pläne für eine
grosse Anlage stammen von Juli 1941. Das Baubüro Thun
schrieb das Vorhaben für zwei Plan-Varianten «Vollausbau»
und «Reduzierter Ausbau» aus. Diese unterschieden sich vor
allem im Ausbau der Infrastruktur, d.h. Unterkunft, Zugänge
und Nebenräume.
Ausgeführter Ausbau
Realisiert
wurde schliesslich eine mittlere Lösung, abgeleitet aus der
reduzierten Variante und ergänzt bei den Unterkunftsräumen
auf etwa 2/3 der Variante «Vollausbau». Zudem wurden die
Nahverteidigungs-Scharten auf das Niveau der
Eingangsstollen gelegt.
1941/42
Ende
September 1941 begann man mit dem Ausbruch der Eingänge
links und rechts. Anschliessend wurde der Vortrieb des
Fenster-Stollens im Obergeschoss in Angriff genommen. Dazu
musste ein Podest mit Gerüst errichtet werden. Das ganze
Ausbruchsmaterial wurde mit Rollwagen durch den
Fenster-Stollen gefahren und nicht durch die
Eingangsstollen abgeführt. Mit dem Durchschlag des
Beobachtungsstandes «D» am 16. Dezember 1941, erblickten
die Bauarbeiter auf der Nordseite des Hondrichhügels wieder
Tageslicht. Analog wurden die anderen Beobachtungsstände,
Nebenstollen, Funkräume, Kabelstollen sowie Büro- und
Unterkunftsräume ausgebrochen. Im August, nachdem der
Rohbau fertiggestellt war, wurden die Funkräume mit
Kalksandsteinen aufgemauert sowie die Dächer mit
Betonelementen gedeckt.
1943
Erst
1943 entschied man sich für den Einbau der speziellen
Schartentöpfe und eines kleinen Telefon–Raumes. Zudem
verschloss man die Anlage durch Blech- und Gittertüren. Die
Installationen bestanden nur aus WC- und Waschanlagen mit
Lüftung und fliessendem Wasser, einem Telefonzentralen-Raum
(ohne Zentrale) und einer einfachen elektrischen
Niedervolt-Installation die an Bügeln an der Decke montiert
war. Es fehlten immer noch die Einbauten für die Büro-,
Unterkunftsräume und den Maschinenraum, die durch die
Gunitierung lediglich trocken, aber offen waren.
1950-er
Jahre
Der
Einbau der Abteilungs- und Regiments-Schiesszentrale, des
Maschinenraums und der Gasschleusen erfolgte in zwei
Etappen 1953/54. Der Umbau des Bürotraktes, der Unterkunft
und der Küche sowie der Ventilation wurde erst 1956/57
durchgeführt.
Nach dem Aktivdienst
Die
Anlage, sie gehörte nun zur Réduitbrigade 21, diente als
Feuerleitstelle der Festungsabteilung 15 sowie als
Kommandoposten des Festungsregiments 21 und des
Infanterieregiments 75. Nachdem schon in den 70-er Jahren
die meisten WK des Festungsregiment 21, mit Ausnahme deren
Stabskompanie, ausserhalb der Anlage geleistet wurden,
fanden nach 1981 in der Anlage nur noch einzelne
«Übungstage» aber keine WK’s mehr statt. Die Truppe
benützte die guten Schiessmöglichkeiten im Pays d’ Enhaut
und im Jauntal.
Auflösung
und Deklassierung des KP Heinrich
Die
Anlage KP Heinrich wurde im Juni 2005, gemäss Eintrag auf
den Plänen, von LBA/PO Liq entklassifiziert.